Wir teilten das Gefühl, nicht ausreichend Gesprächspartner mit einer ähnlichen Familienkonstellation, nämlich einem jüdischen und einem nicht-jüdischen Elternteil zu haben. Erste Gespräche und Kontakte verstärkten das Interesse am Austausch mit Menschen mit ähnlichem Hintergrund; insbesondere auch, weil uns dadurch deutlicher wurde, wie unterschiedlich die Einstellung zu einer (vermeintlich) gemeinsamen Identität sein kann.

Für Menschen mit teiljüdischer Herkunft ist die Zugehörigkeit zum Judentum eine gelegentlich schwierige Identitätsfrage; insbesondere für sogenannte "patrilineare Juden" oder "Vaterjuden", also Menschen mit jüdischem Vater und nicht-jüdischer Mutter, stellt sich die Frage, welchen Zugang sie zum Judentum haben können, obwohl sie ja nicht tatsächlich (also halachisch) jüdisch sind.

Mögliche Zugänge können religiös geprägt sein, aber auch über die Identifikation mit familiären Traditionen, mit der Shoah oder Betroffenheitsgefühle bei antisemitischen Vorkommnissen sein, andere wählen einen wissenschaftlichen Zugang, wieder andere sehen keine Notwendigkeit „jüdische Bestandteile“ im Leben zu haben.

Die Idee, einen Verein als Forum und Netzwerk für Menschen teiljüdischer Herkunft zu gründen entstand Ende 2008, auch deshalb, weil wir uns von einem eingetragenen Verein eine größere Wirkung und klarere Organisation versprechen als von einer rein privat organisierten Gruppe.

Dabei richtet sich doppel:halb ausdrücklich an alle Menschen teiljüdischer Herkunft. Also auch an diejenigen, die z.B. ein oder mehrere jüdische Großelternteile oder eine jüdische Mutter und einen nicht-jüdischen Vater haben. Letztere gelten zwar, im Gegensatz zu denjenigen mit anderen Familienkonstellationen, als jüdisch. Aber insofern sie Interesse am Austausch mit anderen Menschen aus interreligiösen Familien haben, sind sie uns willkommen!